Niehler Brauhaus

Ein kölscher Traditions-Gasthof

Von Bernd Schöneck, 10.05.12, 17:47h

Die Wirtin im „Niehler Brauhaus“, Pobby Mavroidakos, reichert ihre kölsche Speisekarte mit griechischen Kleinigkeiten an. Ursprünglich war sie hier Kellnerin. 2010 hat sie den Gasthof übernommen und führt ihn zur Freude aller Gäste weiter.

Haus mit Tradition: Das Gebäude des Niehler Brauhauses hatte den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden. (Bilder: Stefan Worring)

Niehl - Ein frischer Wind weht in einem traditionsreichen Haus. Einst befand sich hier eine alte Poststelle; Anfang des 20. Jahrhunderts betrieb Familie Schumacher in jenem Gebäude ihre Restauration "Niehler Hof". Heute beherbergt das im Zweiten Weltkrieg nahezu unzerstörte Gebäude mit der grün-weißen Fassade und dem markanten Dachreiter an der Sebastianstraße 147 in Alt-Niehl das "Niehler Brauhaus" von Wirtin Pobby Mavroidakos.

Im August 2010 hat sie den Gasthof von den Vorbesitzern übernommen; zuvor hatte sie acht Jahre im "Niehler Brauhaus" gekellnert - und vertrat oft den Chef, wenn dieser unterwegs war. "Er meinte immer zu mir: Wenn ich eines Tages aufhöre, bekommst du den Laden", erinnert sich die 57-Jährige gebürtige Griechin, die 1975 für ein Fachhochschul-Studium der Sprachwissenschaften nach Deutschland kam. Während ihrer Studienzeit jobbte sie in der Gastronomie und legte später eine Ausbildung zur Bürokauffrau nach. "Aber mein Lieblingsberuf war immer die Gastronomie, ich liebe die Arbeit mit den Gästen", betont die quirlig-sympathische Wirtin. Im insgesamt rund 80 Gästen Platz bietenden Brauhaus trifft sich das gesamte Veedel: Alle zwei Wochen ist der Stammtisch "Fisch Nix" von 1995 hier, auch einige Sportvereine kommen regelmäßig zu ihrem Treffen hierher. "Für die jüngeren Niehler ist es nicht in erster Linie eine Kneipe, sondern eine Gaststätte, wo man sich treffen und essen kann", erzählt die Wirtin. Am Karnevalssonntag, wenn der Niehler Zoch am Haus vorbeizieht, wird es richtig voll - wie auch an Weiberfastnacht. "Dann haben wir hier Livemusik mit DJ."

"Ich bin zwar Griechin, führe das Brauhaus aber in seinem kölschen Stil weiter", erläutert Mavroidakos. Die kölsche Spezialitäten-Karte unter dem Oberbegriff "Jet zo müffele" mit traditionellen Gerichten von "Himmel un Äd" bis zum kleinen Sauerbraten ist geblieben; seit Mavroidakos' Antritt gibt es jedoch auch eine Tapas-Karte mit kölschen und griechischen Kleinigkeiten - von der Portion Tsatziki (2,90 Euro) bis zu den Gambas (5,90 Euro). Freitags stehen frische Reibekuchen mit Kompott auf dem Plan (4,90 Euro). Doch die bekannteste Spezialität des Hauses ist die "Karre Mist": ein großer Teller mit Rinder-, Puten- und Schweinemedaillons, Kartoffeln, Gemüse und Rahmsauce (15,90 Euro) - ein echter Sattmacher.

Uriges Flair

Auch was die Einrichtung angeht, ist der Wirtin der Spagat gelungen: Sie befreite den Thekenraum von allem Schnickschnack und setzte die grün-weiße Linie der Außenfassade mit Elementen der Einrichtung im Innenbereich fort. Nun wirkt der Gästebereich mit seinen typischen Brauhaus-Tischen aus gescheuertem Holz viel aufgeräumter; gleichzeitig kommt das urige Flair eines Veedels-Brauhauses viel besser rüber. Ein kleines Schmuckstück ist der Festsaal für private Feiern, der rechts hinter dem Thekenraum liegt: Hier wird die Fachwerkstruktur des alten Gebäudekerns sichtbar. Nebenan schließt sich ein abtrennbares Räumchen an, das während der kalten Jahreszeit als Raucherzimmer für die Gäste dient. Und dann ist da noch die kleine, lauschige Terrasse im Innenhof. "Leider kann ich keine Außenterrasse zur Straße hin anlegen, aber die hier hat ja auch Flair", schmunzelt Mavroidakos. Zum Haus gehört auch ein Hotel mit 23 Zimmern . "Viele Monteure sind unter meinen Stammgästen, ab und an logieren auch Messegäste hier", erzählt die Gastwirtin. Das Hotel läuft unter dem Namen "Niehler Hof" - und erinnert somit an die Vergangenheit des Hauses, als die Schumachers mit ihrem Gasthof Ausflügler anlockten.

Die Öffnungszeiten

Das "Niehler Brauhaus", Sebastianstraße 147, ist
Montag bis Samstag von 16 bis 1 Uhr geöffnet,
sonn- und feiertags von 11 bis 14 sowie von 16 bis 24 Uhr.
Telefon: 169 106 21.

Parkmöglichkeiten gibt es entweder auf der Sebastianstraße oder auf dem nah gelegenen Parkplatz am Friedhof Feldgärtenstraße/Hermesgasse.

KVB: Linie 16 bis Endhaltestelle Sebastianstraße oder mit der Buslinie 147 bis Haltestelle "Merkenicher Straße".